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Noch eine (noch) kleine Plattform?

Themencollage (Ausschnitt) Themencollage (Ausschnitt)

Wir sind mellowdramatix.de (a.k.a. the matix), eine hartnäckige (noch) Mini-Plattform, die ihr Ding durchzieht: Wir berichten nicht nur über Phantastik und Horror, wir machen Phantastik und Horror (!) und stellen sie dann in Frage (?). Wir haben uns entschieden zu schreiben, kein „ach, lass! Das ist ein zu weites Feld“, wir wagen uns an den Rand des Denkbaren, stoßen Pforten auf, um ins Unkonventionelle einzubrechen wie durch dünnes Eis. Wir stürmen und drängen, um das Äußerste zu erfahren und euch das Innerste vorzuspiegeln. Was die Welt im Innersten, Welt aus Text, Medienwelt, zusammenhält.

Stecken wir die Territorien ab, wie es Millionen tun, die einen beliebigen Blog ins Web uploaden? Wie entrinnen wir der Beliebigkeit? (Wird das hier noch jemand verstehen, wenn wir es nicht tun? Überschreiten wir die Grenze allein und gehen verloren oder wer bricht noch in die Mauer der Konventionen neue Blickwinkel?) Unbedachte denken: Phantastik = Fantasy und Horror = Was Angst macht! Doch was macht ihr, wenn das künftig nicht mehr wahr ist? Angenommen, die Dinge, die ihr für phantastisch hieltet, für Horror, ähnelten einander bloß, aber waren niemals von ein und demselben Genre? – Wen kümmert's. Definititionen kommen und gehen. Wir wollen flexibel bleiben, beweglich denken. Im Credo der Assassinen hallt Nietzsche nach: Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.

Mit uns spielt die Sprache bloß. Wir vertrauen ihr all unsere Bedeutungen an – als könnte sie ein Wörterbuch artikulieren und in ihrer Nuancenvielfalt memorieren. Ihre Vielgestalt eröffnet das Labyrinth. Das ist nicht neu. Aber es ist. Bei uns kann es daher schon mal passieren, dass sich Wirklichkeit und Fiktion zersetzen wie digitale Fotos in grafische Artefakte und dann Elemente tauschen und ineinander schachteln wie Tetris. Nichts ist mehr trennscharf, solange der Mensch es nicht so (hin)definiert. Alles scheint relativ. Wir sehen das positiv. Es gibt kein Medium, das nicht kritisch hinterfragt werden muss.

Wer Fundiertes mit Gewissheit sagen will, begibt sich in Ungewissheiten wie Lovecrafts Erich Zann, kann den gesunden Menschenverstand einbüßen wie Hoffmanns Nathanael, wird sich dem Unglaublichen gegenüberstellen wie Schillers Geisterseher, darf in Worten kramen, wie Goethes Faust es ablehnt, muss entscheiden, ob er dem Wunderbaren einen Platz neben dem Vernünftigen einräumt oder es lässt wie Gottsched, ob er nach der Kornblume suchen will wie ein Stück Menschheitsgeschichte oder sich die Bauta-Maske der Seriosität aufsetzt und den toten Karneval des Alltags tanzt wie eine Marionette.

Mitten unter uns existiert es vielleicht, das Phantastische, der Horror, selbst hier in unserer Redaktion, die am Rand der Stadt zum Nebelmeer der Felder steht wie an der Grenze zu etwas, das bis dato niemand wagte auszudefinieren. Haltet uns für Spinner! Wir sind keine Esoteriker. Wir wissen um die Gesetze der Natur und ihre Konventionalität, wir sind nicht blauäugig oder dumm. Dieses Manifest ist überdreht, Mellowdramatix ein Spiel mit der Wirklichkeit. Die Kunst besteht darin, das Fiktive wahrscheinlich wirken zu lassen. Im Medium des Blogs wird das machbar.

„Man lasse uns Künstler in Worten sein“ – ja, man lasse uns Worte sein, wir sind Worte, Kunst und Wirklichkeit unsere Spielzeuge, die Phantastik, der Horror zwei Vorlieben und Synekdochen für all das, was sich aus Dramaturgie und/oder Expressivität nährt.

Das hier ist ein Job für Helden. Bock, Held zu sein?

Dann:

Enter The Matix!

Über Helden zu schreiben, überlassen wir anderen.

Wir machen uns zu Helden.

Das Zeitalter von Web 2.0 ist vor Ewigkeiten angebrochen und weit draußen im wilden Web wuchern verdammt viele Webseiten. Die User sind emanzipiert und haben sich vielfach losgesagt von der Zunft der professionellen Webdesigner-Büros. An ihre Stelle treten die Communities, die Content Management Systeme (CMS) entwickeln, und Megakonzerne mit Instant-Blogging-Lösungen. Opensource-Werke wie Joomla oder Wordpress sind es, die den interaktiven Zugang zum weltweit wilden Web ermöglichen und neue Communities gebären, die sich auf neue Themen stürzen. Die Technologie, die dem Informationswunder zugrundeliegt, muss nur noch in Teilen begriffen werden. Freiheit und Unabhängigkeit potenzieren sich, augenscheinlich: Am anderen Ende enstehen neue Abhängigkeiten.

Professionelle Anbieter schicken Plattformen ins Netz, die mit wenigen Klicks ganze Blogs aus Bits and Bytes in die Browser materialisieren, inklusive Suchfunktion, die die globale Leserschaft miteinander verkabelt. Was vor zwei Jahrzehnten noch Science-Fiction gewesen war, ist längst Realität. Nie war der Zugang zu Informationen (und Informationsfälschungen) leichter als heute, nie zuvor konnte sich ein Einzelner so schnell artikulieren und hörbar machen. Der Preis der Mega-Konzerne: Persönliche Informationen, sogenannte Daten, die uns näher beschreiben, unser Sein und Tun. Im Big Data tun sich Muster und Wahrscheinlichkeiten auf, die zusehends an die non-digitale Wirklichkeit rückgekoppelt werden. Wie viel geben die Matix-Helden zu Protokoll, wenn sie bloggen?

Die Generationen sind erwacht, die ihre eigenen Zeitungen schreiben, ihre Gedanken ins Netz hinein- und die Welt hinausbloggen (man lasse sie in Worten sein), ihre Stimmen hörbar machen in Podcasts, sich vernetzen, organisieren und informieren in Social Networks, die Welt digitalisieren in Fotos und Bildern, sie uploaden und ins WWW streuen, um sie wieder downzuloaden, zu modifizieren und erneut upzuloaden. Diese Generationen erschaffen in Wikis Enzyklopädien über Enzyklopädien, über die Welt, über die Welt der Welt, über andere Welten und darüber, was die Welt nicht ist, was sie nicht sein sollte, sein wird, sein könnte. Auch das nicht neu, banal zu schreiben, so alltäglich schon, dass ein affirmativer Ausruf darüber nicht mehr möglich scheint.

Suchmaschinengiganten regeln das Info-Business. Ihre Algorithmen sind Schlüssel und Tor zu all Deinen Informationen, sie selektieren und sortieren, aggregieren und bereiten auf. Zwischen dem, was Dich wirklich interessiert, und Millionen Werbebannern, Schnäppchen und Preisvergleichen liegen wenige Klicks. Wer wird gehört, wer wird gelesen, wenn alle sprechen, alle schreiben. Überholt sich die Blogosphäre selbst, wenn nun mehr geschrieben wird als gelesen werden kann. Wie wird die Auslese generiert? Es wird wichtig sein, das richtige Netzwerk anzulegen und gutes Marketing in Social-Media-Diensten zu betreiben. Populäres wird populär machen.

Just another blog

Es gibt eintausendundeins Magazine zu nichts und allem – mellowdramatix.de ist die eintausendundzweite Webpage (just another blog), die wie alle vor ihr, neben ihr und nach ihr nicht gegen die massiv frequentierten Seiten ankommt, deren Macht sich aus ihrer Relevanz und deren Relevanz sich aus ihrer Macht speist. Deshalb und, weil sich mellowdramatix.de mit nutzlosem Stuff auseinandersetzt: mit Kunst, die keine festgelegte Funktion hat, ist diese Seite nutzlos – wie eine Art Kunst der Kunst, eine Metakunst vielleicht, nutzlos2 also.

Wenn nichts wahr, alles erlaubt ist, wird jede Rezension beliebig sein. Denn: Subkulturen, die sich über Medienprodukte definieren, sind sich der Beliebigkeit der Welt bewusst und schreiben sie sich auf die Fahnen. Jeder darf seine Meinung zu einem Produkt sagen, aber als Meinungen sind sie alle gleichermaßen wahr und unwahr, nur Perspektiven in der Unendlichkeit, weil per se als subjektiv verstanden. Eine Rezension wird zum Akt der Identitätsbildung: Bist du für oder gegen ein Produkt und damit in oder außerhalb der Fangemeinde. Objektive Kriterien für eine Bewertung gibt es nicht mehr – oder?

Diesem Dilemma – Nutzloses zu tun, es zu erkennen, aber nicht sein lassen zu können, ohne sich selbst verraten zu müssen – können nur Helden standhalten. Darum erkennen und nehmen wir diese Verfehlung an, sind Helden im zweideutigsten Sinne (Held2). Wir wollen viel und scheitern daran oder scheitern nicht daran. Die Möglichkeiten sind offen. Sein künstlerisches Tun als nutzlos zu bezeichnen, wie ich es tue, das heißt, dem Gott der Notwendigkeit zuprosten. Wer so spricht, hat die Ideale des Feindes längst internalisiert. Man gibt sich damit zufrieden, Drohne statt Mensch zu sein, und sucht vielfältige mediale Strategien sich zu betäuben, Eskapismus. Aber: Zwei Seelen in meiner Brust!

Das ist das Statement, mein Manifest, auch wenn ich plural im Wir spreche. Es ist die Exposition kommender Handlungen. Die Benchmark beliebigen Bloggings ist erreicht. Sie haben uns gewarnt! Jetzt ist Kunst(2). Und keiner hat's gemerkt.

 

tl;dr just another blog about fantasy and horror

 ¯\_(ツ)_/¯

 

Gezeichnet, der Erfinder

 

„Das Wort Kunst bezeichnet [...] im engeren Sinne Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit,

die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt,

das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses,

kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“

 

– Wikipedia

Letzte Änderung amDonnerstag, 17 August 2017 07:32
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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