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Sci-Fi-Film

„Valerian“, ein Sci-Fi-Spektakel ohnegleichen

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Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten überzeugt gewiss durch das Visuelle. Aber das wäre nichts ohne die eigenwillige Erzählweise und die witzigen Figuren.

Als Luc Besson Das fünfte Element drehte (1997 erschienen), hielt der Regisseur eine Verfilmung des französischen Comics Valerian & Laureline noch für unmöglich (in Deutschland als Valerian & Veronic veröffentlicht). Mit Avatar habe sich das allerdings geändert, jetzt sei alles möglich geworden. Das verriet Besson in einer Featurette zur Science-Fiction-Perle Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten. Darin erklärt der Filmemacher weiterhin, dass es ein langjähriger Traum von ihm gewesen sei, die Adaption jener Comics umzusetzen, die er als 10-Jähriger das erste Mal gelesen habe. Was ihn schon damals so begeistert habe, sei die Art und Weise, wie die Comics ihre Geschichten erzählen. Genau das ist es auch, was Bessons Verfilmung von anderen Science-Fiction-Filmen unterscheidet, die in letzter Zeit mit großem Budget finanziert wurden. Den technischen Vergleich mit Avatar hält Valerian jedenfalls stand, narrativ aber übertrumpft er „Pocahontas im Weltall“ um Längen.

valerian 2Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten ist eine in CGI wahr gewordene Zukunftsphantasie: die Vorführung der abgefahrenen Welt des 28. Jahrhunderts und der darin befindlichen interstellaren Völker, von denen eines schrulliger ist als das andere. Unzählige dieser Spezies leben auf der gigantischen Raumstation Alpha, die ihrer Größe wegen mehr Planet als Station ist und dementsprechend verschiedenste Lebensräume nachbildet, seien es Unterwasserwelten für Kiemenatmer, die Kobalt anbauen, oder Stahlwände ins Bodenlose voller Technik für schwebende Maschinen, die das Bankwesen der Weltraum-Metropole kontrollieren. Auf Alpha, der Stadt der Tausend Planeten, gibt es vermutlich alles, was auf Abenteuerherzen betörend wirkt. Als dann die Spezialkräfte Major Valerian (Dane DeHaan) und Sergeant Laureline (Cara Delevingne) bei einer Verfolgungsjagd ins tiefste Innere dieser Raumstation vordringen, tritt der Umfang der darin verborgenen Welten – ja, im Plural – plastisch vor Augen. Die ferne Zukunft, die dieser Film präsentiert, ist uns wirklich fern, deswegen überraschend, durchweg skurril und voller Humor. Aber eben nicht schon wieder albern, sondern trotz aller Schrägheit glaubwürdig – anders als dies etwa bei den späteren Filmen der Reihe Pirates of the Caribbean der Fall ist, deren besonderer Witz zunehmend in Klamauk mündet. Aus dem Staunen jedenfalls, darin Avatar verwandt, kommt man bei Valerian nicht mehr heraus, sowohl was die visuelle Umsetzung als auch den Ideenreichtum angeht.

valerian 3

valerian 4Bessons Comicverfilmung weiß eine actionreiche Abenteuergeschichte im Gewand einer Space Opera zu erzählen, die zwar auf ein vorhersehbares Ende zuläuft, dieses aber gekonnt inszeniert und auf dem Weg dahin immer wieder ungewöhnliche Haken schlägt. Vor allem lässt sich die Handlung Zeit für Ausflüge in die bizarre Zukunftswelt, gibt ihr durch die Inszenierung Tiefe und zeichnet im Nebenher ihre Figuren. Von denen lebt der Film, neben einem Gastauftritt von Rihanna als Formwandlerin insbesondere von dem charmanten Protagonisten-Pärchen Valerian und Laureline, die es, wie gesagt, tief in die Stadt der tausend Planeten verschlägt. Dorthin jagen sie einer außerirdischen Bedrohung nach, die nicht nur Commander Aurun Filitt (Clive Owen) entführt hat, sondern auch Alpha insgesamt zu bedrohen scheint. Ein eher klassisches Beziehungsmotiv – er will sie für immer, aber sie lässt sich nicht überzeugen – begleitet das Abenteuer von Beginn an bis in die unmöglichsten Situationen, wird in witzige Dialoge verpackt und angereichert mit Kompetenzgerangel. Immerhin arbeiten die Zwei zusammen, da kann es schon mal Sticheleien geben, vor allem wenn Valerian sich für den Größten hält und Laureline überreden will, ihre Beziehung auf das nächste Level zu bringen, sie aber kühl und sachlich auf die Mission konzentriert bleibt, weil sie ebenso tough ist wie er, wenn nicht tougher, und sich nichts vormachen lässt. Das schreit geradezu nach Situationskomik.

 Das Drehbuch orientiert sich lose an dem zweiten und sechsten Band der Comicvorlage, hält sich aber nicht streng an das Original. Alles Weitere hat Besson, der das Drehbuch geschrieben hat, selbst erdacht. Das hat sicherlich Auswirkungen darauf, wie Valerian und Laureline auf Kenner der Comics wirken.

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten ist großes Science-Fiction-Kino, nicht weil es die Abgründe des Weltraums, des Menschen und seiner Technologie auslotet. Nein, diese Comicverfilmung überzeugt durch ihre eigenwillige, aber glaubwürdige und humorvolle Erzählweise, die gelungenen Figuren und natürlich durch ihre bildgewaltige Inszenierung einer futuristisch-phantastischen Welt, wie man sie bisher nicht oft gesehen hat.

Trailer zu Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Infokasten

„Valerian - Die Stadt der Tausend Planeten“ (OT: Valerian and the City of a Thousand Planets)

Regie: Luc Besson          

Drehbuch: Pierre Christin, Jean-Claude Mézières (Comicvorlage), Luc Besson (Drehbuch)

Laufzeit: 137 Minuten

Produzent: EuropaCorp, Fundamental Films, Gulf Film

Verleih: Universum Film (UFA)

Frankreich 2017

Veröffentlicht am 20.07.2017 (Kinostart)

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 21:31
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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Dann, wenn es tagt, entweichen sie, jedes nach seiner Seite: Hexen, Kobolde, Visionen, phantastische Bilder. Nur gut, daß sich dieses Volk nur nachts und im Dunkel zeigt. Niemand konnte herausfinden, wo es sich tagsüber einschließt und verbirgt.

– Francisco de Goya über eine phantastische Radierung aus seiner Bilderreihe Los Caprichos.

(Dazu passt das 43. Blatt der Caprichos).

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