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Film

.„Fantasy Filmfest"-Spezial: Tag 5

Extremes Kino aus Japan, Postapokalyptisches made in Germany:

Cold Fish und Hell

Außerdem: The Waldking Dead, Super, A Lonely Place to Die, The Dead

Pünktlich zum Start der zweiten Staffel von The Walking Dead wurde es ermöglicht, den Pilotfilm der Serie im Kino zu zeigen. Für eine TV-Serie überaus düster und brutal. Der Film macht definitiv Lust auf mehr und deckt nicht einmal die Hälfte des ersten Grafik-Novells ab, das als Vorlage diente.

 

Über Super werden wir später noch ausgiebig berichten. Bei der Deutschlandpremiere hinterließ der Film jedenfalls einen sehr positiven Eindruck. Man kann den Film eigentlich nicht in eine Schublade stecken, deshalb soll das hier auch gar nicht versucht werden. Super unterhält sehr gut, hat seine sehr witzigen Momente, ist jedoch wesentlich expliziter und brutaler als man nach dem Trailer vermuten würde.

 

Mit A Lonely Place to Die gibt es heftige Kost aus Schottland. Eine Gruppe von Bergsteigern findet ein Kind, dass in einem Wald gefangen gehalten wird. Die Gruppe teilt sich auf. Schnell und unerwartet wird A Lonely Place to Die zu einem Überlebenskampf. Man sollte nicht viel über den Film verraten, der zwischen Kidnapping, Slasher und Thriller geschickt mit den Erwartungen spielt und mit jeder Minute spannender wird.

 

Bei The Dead handelt es sich um einen Zombiefilm. Dieser ist angesiedelt in Afrika und zeigt den Überlebenskampf von zwei übriggebliebenen Soldaten, einem US-Luftwaffeningenieur und einem afrikanischen Soldaten, der auf der Suche nach seinem Sohn ist. Neben den üblichen Botschaften, die man hinter gesellschaftskritischen Zombiefilmen finden kann, ist die postapokalyptische Welt überaus lebensfeindlich. Auf diesem Weg wird eine noch stärkere Komponente des Überlebenskampfes gezeigt, kaum Wasser, Munition oder Benzin. Meilenweit nur leere Landschaften und unzählige Wiedergänger. The Dead lässt sich Zeit all diese Faktoren zu entfalten. Definitiv sehenswert.

 

Cold Fish (Kurzrezension)

Sion Sono, Großmeister des extremen japanischen Filmes, ist mit einem neuen Film auf dem Fantasy Filmfest vertreten. Cold Fish erzählt die Geschichte von zwei Männern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Nobuyuki Syamoto, ein mäßig erfolgreicher Fischhändler der mit familiären Problemen zu kämpfen hat, und Yukio Murata, ein sehr erfolgreicher Fischhändler und Geschäftsmann.

 

Man könnte annehmen, dass eine Geschichte um zwei Fischhändler sowie deren Familien und Unternehmen keine Spannung entfalten kann. Cold Fish geht jedoch auf eine wahre Vorlage zurück, die einen Serienmörder beinhaltet. Die Geschichte entfaltet sich mit den Charakteren und stellt die Abgründe des Menschlichen und der Abstumpfung des Einzelnen dar. Immer tiefer geht die Geschichte unter die Haut und immer tiefer gerät Syamoto in einen Strudel aus dem er nicht entkommen kann - sonst wird seine Familie sterben.

 

Die Exposition von Cold Fish lässt sich Zeit, dem Zuschauer wird das desolate Leben von Syamoto und seiner Familie gezeigt, ebenso die Fröhlichkeit und der erfolgreiche Lebensstill von Murata. Welches dunkle Geheimnis sich hinter all dem verbirgt, kommt mit einem heftigen Schlag ans Licht, doch das Gezeigte ist Alltag. Syamoto hat jedoch Probleme damit, sieht jedoch keinen Ausweg mehr und so gerät er immer weiter in die Machenschaften von Murata.

 

Wieder einmal hat Sion Sono gezeigt, warum er ein Meister des extremen Kinos ist. Großartig inszeniert er die Charaktere in einem intriganten Spiel aus Angst, Gewalt, Liebe und Hass. Die explizite Gewaltdarstellung in Sonos Filmen sollte bereits bekannt sein, allerdings empfand ich den Film als brutaler als seiner Zeit Suicide Club (2001) und heftiger als Strange Circus (2005). Wobei auch Cold Fish die gesellschaftlichen Zwänge und Verpflichtungen hinterfragt. Ein weiter großartiger Film auf der Liste des extremen Kinos. Wer mit ungewöhnlichen Filmen, also denen die weit aus der Norm herausschlagen, nicht viel anfangen kann, sollte hier die Finger von lassen. Für alle anderen eine klare Empfehlung.

 

                         

Trailer zu Cold Fish (japanisch mit englischen Untertiteln)

 

Hell (Kurzrezension)

2016: Die Welttemperatur ist um 10 Grad gestiegen, fruchtbare Erde ist zu Staub geworden, Bäume ausgedörrt. Die Sonne glüht. Am Himmel keine einzige Wolke. Vorne wie hinten ist Phillips Auto zugeklebt, damit ihn das Licht nicht verbrennt. Nur ein kleiner Schlitz zeigt ihm, wo er langfahren muss. Bei ihm sind Marie und ihre jüngere Schwester Leonie. Zu dritt bilden sie eine Überlebensgemeinschaft, die gen Berge zieht. Denn schon wie auf ihren mit Dreckwasser gefüllten PET-Flaschen steht: Die Quellen liegen im Gebirge - und Wasser gibt es sonst so gut wie gar nicht. Doch schon bei ihrem ersten Stopp an einer verlassenen Tankstelle treffen sie auf einen vierten Überlebenden, der auf ihren gefüllten Kofferaum scharf ist. Der interessenskonflikt ohne sozialen Regeln beginnt.

 

Bei deutschen Filmen bin ich leider oft skeptisch, was durch Urban Explorer mit seinem unmotivierten Drehbuch wieder belegt wird. Doch Hell dagegen ist ein Hoffnungsschimmer. Das von Paramount Pictures finanzierte Spielfilmdebut von Regisseur Tim Fehlbaum zeichnet stimmig eine ausgetrocknete, wüste Distopie nach der Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung. Bekannte Motive wie Nahrungs- und Wassersuche, Durchstöbern menschlicher Ruinen und der Kampf um die verbliebenen Ressourcen werden in gleißenen Bildern visualisiert. Der postapokalyptisch coole Look mit Augen- und Atemschutz wurde dabei nicht vergessen. Glücklicherweise verharrt der Film nicht allein bei Wüstenwanderungen, sondern schafft neue Locations, in denen sich die Endzeit inszeniert: Tunnel, Höhlen und mit Brettern vernagelte Holzbauten. Wenn auch für Kenner hier und da vorhersehbar, ist Hell ein durchaus abwechslungesreicher Film, der zwischen verschiedenen Genres springt - ein reiner Überlebenskampf. Stimmungsvoll!

 

         

Trailer zu Hell

 

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(Syno Nyhm/edward)

Letzte Änderung amDonnerstag, 11 Mai 2017 06:29
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Unbestreitbar führt das Internet auch zu positiven Veränderungen. Das Negative besteht meiner Meinung nach darin, dass das Internet zu Oberflächlichkeit verleitet, zu spontanen Reaktionen, hinter denen kein langes Nachdenken steckt: Ich habe etwas gelesen, und sofort twittere ich dagegen oder darüber, und dann womöglich auch noch in falscher Grammatik.“

 

Helmut Schmidt im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo (2012) im Zeit Magazin Nr. 17 vom 19.04.2012, S. 57

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