„Get Out“ ist Horror, der unter die Haut geht

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Der psychologische Horrorthriller Get Out ist ein legitimer Erbe von Psycho, Alien, Das Schweigen der Lämmer und SAW. Oder kurz: Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten.

 

Wenn man viele Horrorfilme gesehen hat und denkt, dass einen eigentlich nichts mehr schocken oder überraschen kann, dann kommt zirka alle 10 Jahre ein Film daher, der einen Lügen straft. Der erste Film, der in dieser Form unter die Haut ging, war Psycho mit seinem Protagonisten-Kill und der resultierenden Perspektivverschiebung im Film zwischen Opfer und Täter. 2004 gelang es SAW einen ähnlichen Psycho-Moment zu etablieren, in diesem Fall darin, wie sich am Ende das Böse manifestiert. Es greift nicht zu hoch, wenn Get Out als der nächste Vertreter in dieser Reihe herausragend-intensiver Horrorthriller genannt wird.

 

Chris (Daniel Kaluuya) ist ein Afro-Amerikaner, der mit seiner weißen Freundin Rose (Allison Williams) übers Wochenende zu den künftigen Schwiegereltern reist. Rose ist überzeugt davon, dass Chris keine Probleme bekommen wird und versichert ihm, dass ihre Familie keine Rassisten seien, ihr Vater hätte Obama sogar noch ein drittes Mal gewählt, wenn es denn möglich gewesen wäre, sagt sie. Gemeinsam machen sich die beiden also zu einem entspannten Kurzurlaub auf, bei dem Chris die Eltern seiner Partnerin kennenlernen soll, sowie ihren Bruder Jeremy (Caleb Landry Jones).

 

get out 2

 

get out 1Was sich dann im Landhaus der Familie Armitage abspielt, ist schon recht verwunderlich. Es gibt einen schwarzen Gärtner (Marcus Henderson), eine schwarze Haushaltshilfe (Betty Gabriel) und viele weiße Menschen, aus gehobener Gesellschaft und Kultur. Anders als gedacht, wird es kein entspanntes Wochenende nur mit der Familie, sondern Rose hat in ihrer Verplantheit ausgerechnet die Tage erwischt, an dem der Großvater früher immer alle Freunde der Familie eingeladen hat. Diese Tradition sollte fortbestehen, daher wird auch diesmal eine Vielzahl von Gästen am Haus der Armitages erwartet. Schon bei der ersten Begegnung ist die Anspannung zwischen den Polen spürbar, Missy Armitage (Cathrine Keener) und ihr Ehemann Dean (Bradley Whitford) dulden es nicht, wenn jemand in der Nähe ihrer Tochter raucht. Chris hat nun mal diese Gewohnheit, was den potentiellen Schwiegereltern sichtlich sauer aufstößt. Ohne Chris um Erlaubnis zu fragen, hypnotisiert Missy, die als erfolgreiche Psychologin vorgestellt wird, den Freund ihrer Tochter. Es klappt, schon der Gedanke an eine Zigarette widert Chris nun an. Doch irgendetwas scheint in dem Haus nicht zu stimmen, merkwürdige Ungereimtheiten manifestieren sich und Chris fühlt sich zunehmend unwohl.

 

get out 3Damit ist eigentlich schon zu viel über die Handlung von Get Out preisgegeben worden. Was Regisseur und Drehbuchautor Jordan Peele in seinem Regiedebüt abliefert, ist unbeschreiblich. Die Thematik um Rassismus, Rassenlehre und genetischer Überlegenheit steht hierbei nicht so sehr im Fokus, wie es erwartet werden könnte. Dennoch setzt der Film ein deutliches Ausrufezeichen gegenüber Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, was thematisch permanent im Film mitschwingt. Die Enge des Hauses, die Figurenkonstellation und die glaubwürdige Geschichte machen den Film zu einem exquisiten Horrorthriller.

 

An dieser Stelle wird nicht mehr verraten. Get Out ist vermutlich einer der besten Filme des Jahres 2017 und wird dennoch leider kaum eine Chance auf große Filmpreise haben, dazu sind Inhalt und Auflösung vermutlich zu heftig. Andererseits ist Get Out ein Film, der auch als Reaktion auf den Rechtsruck in der US-Politik unter Donald Trump verstanden werden kann. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen, Get Out auf eine politische oder gesellschaftskritische Metabotschaft zu reduzieren. Get Out ist einzigartig.

 

Wir empfehlen den Trailer nicht anzusehen, um den Filmgenuss nicht zu mindern.

 

 Trailer Get Out

 


„Get Out“

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

Produzent: Blumhouse Productions

Laufzeit: 104 Minuten

Verleih: Universal Pictures

USA 2017

Kinostart: 04.05.2017

Letzte Änderung am Donnerstag, 27 Juli 2017 18:25
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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