„I Declare War“ von Jason Lapeyre / Robert Wilson

geschrieben von  Freigegeben in: Fantastik-Film
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Welcher Junge kennt das nicht? Als Kind war man viel draußen, hat Western, Rittergeschichten oder eben den Krieg nachgespielt. Genauso tut es eine Gruppe Kids in einem Waldstück, allerdings professioneller. Wohl inspiriert von Multiplayer-Shootern betreiben die Jungs ein Kriegsspiel mit festen Regeln nach dem Capure-the-Flag-Prinzip: Jedes Team hat eine Basis mit einer weißen Flagge, die nicht in die Hände der Gegner fallen darf. Andernfalls ist der Sieg dahin. Wer von den Spielzeugwaffen getroffen wird, muss bis zehn zählen. Wen eine Farbbombe erwischt – und wer gerade zählt, darf sich nicht bewegen – der ist ganz raus.

 

Was für die einen ein Spiel ist, wird für andere zum bitteren Ernst. Denn der cholerische Skinner (Michael Friend) scheißt auf die Regeln, wie er selbst sagt, und schnappt sich Kwon (Siam Yu) als Gefangenen. Skinner hat noch eine offene Rechnung mit dem Jungen zu begleichen und schreckt nicht davor zurück, Kwon eine ‚Sonderbehandlung‘ angedeihen zu lassen, die den Gebrauch von Betonklötzen und einen Werkzeugkasten mit einschließt. PK (Gage Munroe) dagegen, in dessen Basis hübsch aufgereiht die Flaggen vergangener Matches hängen, ist versessen darauf, ein weiteres Stofftuch als Trophäe heimzutragen. Als Chef seines Teams und begnadeter Taktiker weiß PK, was er zu tun hat. Wie weit er wirklich gehen wird, um den Sieg zu erringen, ist ein Spannungsmoment der Handlung.

 

i-declare-war-dyson-fykeI Declare War wechselt in seiner Darstellungsweise stetig zwischen der Fantasie der Kinder und der Realität der erzählten Welt. Mal haben die Kinder Pistolen und Gewehre, dann wieder nur Holzimitate in der Hand. So nutzt der Film geschickt die Option, das Schießspiel actionreich zu inszenieren. Die Feuergefechte stehen aber keineswegs im Fokus. Vielmehr geht es um das Zwischenmenschliche: Freundschaft, Betrug, Neid und Liebe. Den Thrill bringt hierbei der zornige, offenbar unberechenbare Skinner ins Kriegsspiel, als er zu realer Gewalt greift. Derart wird von Beginn ein Bedrohungsszenario aufgebaut, von dem man nicht weiß, wann es eskalieren wird und jemand zu Schaden kommt. Auf dem Höhepunkt der Handlung wird klar, dass irgendetwas zwischen PK und Skinner vorgefallen sein muss und Kwon nun der Leidtragende ist.

 

Abgesehen von diesem spannungstreibenden Konflikt besticht I Declare War durch das Kindliche der Charaktere, etwa wenn sie durch den Wald stapfen und über unsinnige Fragen nachdenken, wie über diese: Was würdest du tun? Sechs Monate früher alle aktuellen Videospiel bekommen und dir dafür den Schwanz abschneiden oder deinen Schwanz behalten, aber nie wieder Computerspielen dürfen? Auch witzig ist, wie die meisten Jungs sich so gar nicht für Mädchen interessieren und das eine, das mit von der Partie ist, deshalb völlig missverstehen. Überhaupt ist Jess (Mackenzie Munro) eine Art Wild Card in diesem Szenario, die nicht nur von den Jungs unterschätzt wird, sondern auch noch ziemlich clever ist und ihre eigenen Pläne verfolgt, um den Sieg für ihr Team zu holen.

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I Declare War schafft so ein innovatives Setting, ohne jemals mit dem erhobenen Zeigefinger über das Kriegsspiel zu urteilen. Stattdessen fokussiert der Film das Spiel selbst, das Miteinander der Kids in ruhigen Momenten sowie Skinners nicht regelkonformes Treiben, über das Horroraspekte in die Handlung eingestreut werden. Spannend und oft sehr witzig! (edward)

 

 

Trailer von I Declare War

Letzte Änderung am Sonntag, 31 August 2014 11:59
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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